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Iran: Tausende Menschen in Wuppertal bangen um ihre Familien
© Lukas Brechtefeld
Hadi Mohammadi betreibt in Wuppertal einen iranischen Supermarkt. Er sorgt sich wie viele andere Iraner in Wuppertal um seine Angehörige in seiner Heimat.
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Iran: Tausende Menschen in Wuppertal bangen um ihre Familien

Während das iranische Regime massenhaft Demonstranten tötet, bangen viele Wuppertaler mit iranischen Wurzeln um ihre Angehörigen in der Heimat. Die Proteste spielen sich zwar weit weg von Wuppertal ab, doch auch hier hinterlassen sie ihre Spuren.

Veröffentlicht: Donnerstag, 15.01.2026 10:33

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Protest im Iran wirkt sich bis nach Wuppertal aus

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Als Sara Ahmadi über ihren Bruder spricht, weint sie. Diesen Montag, sagt die junge Studentin aus Wuppertal, hatte er Geburtstag. Wie es ihm geht, ob er im Gefängnis sitzt oder sogar von der eigenen Regierung getötet worden ist? Das wusste sie zu dem Zeitpunkt nicht. Seit Tagen bangt die junge Studentin schon um ihre Liebsten im Iran, wo die Bevölkerung gegen das Regime und Diktator Ali Chamenei protestiert. Das Regime tötet als Reaktion darauf massenhaft Demonstrantinnen und Demonstranten – 12.000 Tote sind aktuell die höchsten Schätzungen. Die Zahl stammt vom iranischen Exil-Medium "Iran International".

Lebt meine Familie noch? Sind alle ok? Solche Fragen beschäftigen Sara Ahmadi, die anonym bleiben möchte und deren Namen wir geändert haben, gerade Tag und Nacht - auf der Arbeit, in der Uni, einfach überall. Antworten darauf hatte sie zuletzt fünf Tage lang keine, da das iranische Regime das Land von der Außenwelt abgeschnitten hat. Telefonieren, chatten, sich erkundigen - alles nicht möglich.

Die Massenproteste und das Töten der iranischen Regierung mag nach einer Katastrophe weit weg klingen, die wenig mit Wuppertal zu tun hat. Die iranische Hauptstadt Teheran liegt fast 5.000 Kilometer von Wuppertal entfernt, das wären 44 Tage pausenloser Fußmarsch ohne zu schlafen oder drei Tage ohne Stopp Autofahren. Aber auch hier bei uns wirken sich die Proteste auf die Menschen aus. Alleine 1.700 Personen in Wuppertal haben einen iranischen Pass, teilt die Stadt auf Anfrage mit.

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Wuppertal: Im iranischen Supermarkt weinen die Kunden

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Wuppertaler bangen um ihre Angehörigen
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Nicht nur die junge Studentin Ahmadi, die vor zwei Jahren aus ihrer Heimat geflüchtet ist, macht sich dementsprechend Sorgen. Auch der 40-jährige Hadi Mohammadi hat Angst um seine Angehörigen. Er ist vor acht Jahren mit seiner Frau nach Deutschland geflüchtet, seit zwei Monaten betreibt er einen iranischen Supermarkt in Barmen. Er versucht jede halbe Stunde, seine Angehörigen in der Heimat zu erreichen, sagt er. „Das Handy hab ich die ganze Zeit in der Hand." Seine Augen werden immer wieder feucht, während er über die Lage im Iran spricht. Auch Kunden, die Wurzeln dort haben, hätten in den vergangenen Tagen in seinem Laden geweint. “Am meisten die Damen.“

Aber es blitzt auch etwas anders in dem Gespräch mit ihm auf: Hoffnung auf eine bessere Zukunft für seine Heimat, die er so sehr liebt. Auf die Frage, ob er irgendwann zurück in den Iran gehen wolle, wenn die Revolution erfolgreich wäre, ist er auf einmal ein anderer Mensch. Freude und Wärme liegen in seiner Stimme, als würde er ein Paradis vor seinen Augen sehen: "Ja, sehr gerne! Egal was, ich kann auch Straßen fegen im Iran, Hauptsache ich bin in meinem Land."


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Assad und Chamenei: Playstation-Buddys in Russland?

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Im Dezember sind in Teheran die ersten Proteste aufgeflammt. Demonstrationen kennt das Land aus den vergangenen Jahren. Dieses mal - sagen und hoffen einige - ist es aber anders. Die konservativen und eher regimetreuen Basar-Händler waren dieses Mal die ersten, die auf die Straßen gegangen waren. Die Inflation hat sie angetrieben.

Die Menschen können nicht mehr, sagt auch Hadi Mohammadi. Sie können sich keine Wohnung leisten, kein Fleisch für ihre Kinder. "Ich bin selber Vater, wenn ich in so einer Situation bin, habe ich nichts mehr zu verlieren", sagt er.

Längst richtet sich der seit zwei Wochen andauernde Protest aber nicht mehr gegen die schlechte Wirtschaftslage, sondern jetzt mit voller Wucht gegen das Regime. „Tod dem Diktator“ sollen die Demonstranten auf den Straßen gerufen haben. So weit geht Mohammadi nicht. Er wünscht sich nur, dass der iranische Diktator gestürzt wird. Was mit ihm dann passiert? Egal! Seinetwegen könne er nach Russland flüchten, wo auch der ehemalige syrische Diktator Baschar al-Assad hin geflüchtet sein soll. "Ich habe gehört, Assad spielt die ganze Zeit Playstation in Russland. Ich wünsche mir, dass Ali Chamenei auch dahin geht, die beiden können bis zu ihrem Tod Playstation spielen. Die Hauptsache ist, dass sie nicht mehr regieren", sagt er.

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So nehmen Iraner in Wuppertal die Lage wahr
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30 Sekunden, die für die Wuppertalerin Ahmadi alles bedeuten

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Genauso hofft die junge Studentin Sara Ahmadi, dass die Proteste in ihrer Heimat erfolgreich ausgehen. Sie konnte derweil in Wuppertal aufatmen - zumindest ein bisschen. Kurz bevor sie zu uns zum Interview kommt, hatte ihr Handy geklingelt. Ihre Mama war am Telefon, erzählt sie. „30 Sekunden oder eine Minute konnte ich mit ihr sprechen. Als sie hallo gesagt hat, hab ich direkt angefangen zu weinen. Ich wollte nur wissen, ob es allen gut geht oder nicht.“ Es geht allen gut, versicherte ihr ihre Mutter, auch ihrem Bruder – nur sie solle bitte nicht weinen, habe ihre Mama gesagt.

Aber noch immer ist der Iran von der Außenwelt abgeschnitten, es gibt kein Internet. Auch telefonieren ist nur schwer möglich. Nicht alle haben etwas aus der Heimat gehört. So zum Beispiel auch der Wuppertaler Ladenbesitzer Hadi Mohammadi. Er weiß immer noch nicht, wie es seinen Freunden und Verwandten geht. Für ihn und viele Menschen in Wuppertal mit iranischen Wurzeln bleiben deswegen die Sorgen - aber auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in ihrer Heimat.

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Auch Wuppertaler in Sorge
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