
KI soll Lehrer in NRW entlasten
Neue KI-Assistenten sollen Lehrkräfte und Schulleitungen in NRW bei Verwaltungsaufgaben unterstützen. Das Schulministerium verspricht weniger Bürokratie und mehr Zeit für Unterricht, während die Lehrergewerkschaft VBE darauf pocht, dass die Entlastung auch tatsächlich im Schulalltag ankommt.
Veröffentlicht: Dienstag, 16.06.2026 11:33
Das Interview mit NRW-Schulministerin Feller
Im Interview mit dem Leiter unseres Landtagsstudios, José Narciandi, erklärt Schulministerin Dorothee Feller, wie die neuen KI-Assistenten funktionieren und warum sie den Schulalltag erleichtern sollen.
Hilfe bei Elternbriefen und Schulrecht
Das Schulministerium hat vier neue KI-Assistenten freigeschaltet. Sie sollen Schulleitungen und Lehrkräfte unter anderem bei Elternbriefen, Elterngesprächen und schulrechtlichen Fragen unterstützen. Auch bei der Formulierung rechtlich sensibler Schreiben sollen die digitalen Helfer Orientierung bieten.
Schulministerin Dorothee Feller sieht darin eine konkrete Unterstützung für die Schulen. Im Interview mit uns sagte sie:
„Sicherlich haben viele auch Textbausteine für Briefe in der Schublade, aber hier kriege ich noch mal den Bezug hin, zum Beispiel, dass ich die Rechtsnorm auch genannt bekomme, dass ich genau weiß, wo ich nachschlagen muss.“
NRW-spezifische KI statt Standardlösung
Ein Schwerpunkt liegt auf der rechtssicheren Nutzung der Anwendungen. Nach Angaben des Ministeriums greifen die Assistenten auf die geltenden Regelungen und Erlasse des Landes Nordrhein-Westfalen zurück.
Feller betonte dazu:
„Diese KI-Assistenten, die wir jetzt den Schulen zur Verfügung stellen, haben wir selber kreiert im Ministerium. Das heißt, sie nehmen Bezug auf Rechtsnormen, auf Grundlagen, gerade auch NRW-spezifisch.“
Die Ministerin verweist außerdem darauf, dass die Anwendungen über eine geschützte Infrastruktur der Länder bereitgestellt werden.
Unterstützung auch bei Digitalisierung und Sprache
Die neuen Werkzeuge sollen nicht nur Verwaltungsaufgaben erleichtern. Sie können nach Angaben des Ministeriums auch bei der Weiterentwicklung von Medienkonzepten helfen, Unterrichtsmaterial analysieren und Texte sprachsensibel aufbereiten. Darüber hinaus sollen Schreiben in andere Sprachen übersetzt werden können.
Feller nennt als Beispiel die Möglichkeit, bestehende Medienkonzepte zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Zudem könnten Schulen dadurch leichter mit Eltern kommunizieren, die nur eingeschränkt Deutsch sprechen.
VBE begrüßt die Pläne mit Vorbehalten
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) bewertet die neuen Angebote grundsätzlich positiv. Die Gewerkschaft sieht Potenziale insbesondere bei wiederkehrenden organisatorischen und kommunikativen Aufgaben. Gleichzeitig fordert sie, Datenschutz, Qualifizierung und eine verlässliche digitale Infrastruktur konsequent mitzudenken.
Außerdem warnt der VBE davor, Künstliche Intelligenz als Antwort auf den Lehrkräftemangel zu verstehen. Auch Ministerin Feller betont, dass KI menschliche Arbeit nicht ersetzen könne.
„KI ist lediglich ein Hilfsmittel, der Mensch steht über der KI“
sagte sie im Interview. Ziel sei es, Lehrkräfte zu entlasten und ihnen mehr Zeit für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern zu verschaffen.
Quellen: Besuch der Pressekonferenz am 16.06.2026; Interview mit Schulministerin Dorothee Feller; Pressemitteilung des Ministeriums für Schule und Bildung NRW; Pressemitteilung des VBE NRW.
Autor: José Narciandi

